Der Amboró-Nationalpark liegt zwischen Anden, Amazonas-Tiefland und Gran Chaco und vereint Regen- und Nebelwald auf über 4'400 km². Auf 1'400 m ü. M. erwarten uns tropische Wärme und ein einfaches, herzliches Refugio, eingebettet zwischen roten Felswänden und dichtem Grün.
Nach Ankunft erkunden wir den Orchideenpfad mit unserem Guide Rocky, entlang eines kühlen Flusses. Auch wenn viele Orchideen verblüht sind, tut die Wanderung gut und endet in einem erfrischenden Bad im Naturpool. Nach einer leichten Mahlzeit steigen wir zu einem Aussichtspunkt hinauf. Die roten Zuckerhutberge, der wechselnde Wald und Blicke auf Affen, Soldatenaras und Echsen lassen mich über die Schönheit der Region staunen.
El Fuente, die Inka Stätte, und den Westteil des Parks heben wir uns für einen nächsten Besuch auf. Meine Empfehlung: gleich zu Beginn zwei Nächte im Amboró verbringen, um in dieser anderen Welt anzukommen und den Flug auszuschütteln.

Toro Toro
Toro Toro bleibt für mich ein echter Geheimtipp. Die Anreise führt über Santa Cruz nach Cochabamba und dann auf guter Strasse in den Nationalpark. Auf 2'700 m ü. M. erwartet uns ein mildes Klima, ideal zur Akklimatisation. Besonders faszinierend sind die über 10'000 sichtbaren Dinosaurier-Fuss- und Schwanzspuren sowie die beeindruckende Geologie: alte Meeresböden, Schluchten, Höhlen und Felsformationen, eingebettet in eine andine Gemeinschaft, die seit 1989 ihre Schätze schützt.
Wir haben das Glück, mit Don Mario Jaldin und seiner Tochter Lina unterwegs zu sein. Don Mario entdeckte als Bub 1969 mit einem Wissenschaftler die ersten Dinospuren.
Seine Neugier liess ihn seither über siebzehn wissenschaftliche Expeditionen begleiten; sein Wissen und Engagement waren wegweisend für die Gründung des Parks. Gemeinsam wandern wir durch eindrucksvolle Schluchten und steigen zu versteinerten Klippen auf 3'800 m ü. M., geformt von urzeitlichen Brandungen.
Die starke Sonne und die Höhe fordern mich, doch zurück auf 2'700 m ü. M. fühle ich mich wieder wohl. Ein Höhepunkt sind die jahrmillionenalten Dinosaurierspuren, die zwischen noch traditionell bewirtschafteten Feldern auftauchen. Zum Abschluss wage ich mich trotz Höhenangst auf die Plattform El Vergel, 400 m über dem Cañon – Kondore sehen ich nur als Punkte am Himmel.
Hier kann man gut 2-3 Tage verbringen und die Vielfalt entdecken, auch lädt die herzliche Bewirtung und das feine, regionale Essen im familiären Rumi Kipu Hotel zum Verweilen ein.

Wir folgen dem Río Chaime über das Hochplateau El Valle nach Cochabamba. Von weitem begrüsst uns die 33 m hohe Christusstatue. Bei einem Singani Sour lassen wir den Tag ausklingen – begleitet vom Tanz einer lokalen Comparsa.
Sucre
Nach drei gemeinsamen Tagen bringt uns Don Marco zum Flughafen. Die Verabschiedung ist herzlich; er ist stolz darauf, Reisenden seine Heimat zu zeigen, und seine ruhigen Fahrkünste haben mich stets beeindruckt. Auf dem Flug nach Sucre geniessen wir den Blick auf Toro Toro und die schneebedeckten Andengipfel. In Sucre übernimmt Don Juan José das Steuer.
Sucre liegt auf rund 2'800 m ü. M. und wirkt mit ihrem milden Klima, ihrer kolonialen Architektur und der grossen Studierendenschaft lebhaft und offen.

Mit Liz erkunden wir die weisse Stadt. Von Recoleta spazieren wir den Hang hinunter, vorbei an Adobehäusern und Kolonialbauten. Auf dem Dach des Palacio Nacional geniessen wir den Blick über die Kathedrale. Auch die lokale Para-Ti-Schokolade geniessen wir. Auf dem Markt tauchen wir in Farben, Düfte und kurze Gespräche ein; die Händler:innen sind humorvoll, schlagfertig und posieren gerne für Fotos.
Beim Mittagessen mit Pique Macho nähert sich ein kleines Mädchen vorsichtig unserem Tisch. Als wir merken, dass es hungrig ist, laden wir es zu einem Teller Suppe ein. Ihr stilles Dankeschön berührt mich sehr.
Danach fahren wir Richtung Potosí und halten kurz bei der alten Hängebrücke Méndez über den Pilcomayo. Auf dem Land prägen kleine Dörfer, Feldarbeit und das Warten auf Treibstoff den Alltag. Wir haben Glück und müssen nur kurz zum Tanken anstehen.
Potosí
Nach einer erholsamen Nacht in der Hacienda Cayara geniessen wir ein feines Frühstück mit frischen Produkten aus dem eigenen Betrieb. Rodolfo führt uns anschliessend durch das historische Anwesen mit seinen Patios, alten Möbeln und kunstvollen Deckengemälden, bevor wir weiter nach Potosí und zum berühmten Silberberg fahren.
Wir besuchen die Mine auf 4400m ü. M. nur von aussen. Doch viele Arbeiter haben gerade Schichtende. Ihre gezeichneten Gesichter, der Staub, der stramme Schritt – nach zwölf Stunden bei grosser Hitze im Berg fehlt verständlicherweise jede Energie für Gespräche. Wie hier üblich, verteilen wir Getränke und Cocablätter die dankbar angenommen werden. Rund um uns stehen Wellblechhütten, alte Loren und ein Container voller Alpaca- und Lamafelle. Am Mineneingang wird regelmässig geopfert; Traditionen aus verschiedenen Kulturen vermischen sich hier auf eindrückliche Weise.
Von unserem Guide erfahren wir, wie der Abbau heute organisiert ist: 45 Kooperativen legen genau fest, wer wo arbeiten darf. Inzwischen sind auch Frauen in einzelnen Bereichen tätig – ein Wandel, der früher undenkbar gewesen wäre. Der Alltag der Mineure bleibt hart und gefährlich, getragen vom Traum, eines Tages ein besonders ergiebiges Erzstück zu finden.
Den Mineurenmarkt streifen wir nur kurz, bevor wir ins Stadtzentrum fahren. Potosí wirkt rau, aber zugleich faszinierend – ein Ort voller Gegensätze, der uns sofort in seinen Bann zieht. Wir wählen den Weg stets bergab, flanieren zwischen alten Herrenhäusern und besuchen die Casa Real de la Moneda. Obwohl der Cerro Rico längst ausgeblutet ist, lebt ein grosser Teil der Bevölkerung weiterhin direkt oder indirekt vom Bergbau.

Tupiza
Wir reisen nach Tupiza auf 3'000 m ü. M., eine Region geprägt von Erzabbau, Agrikultur und Handel fast and der argentinischen Grenze. Mich faszinieren die farbigen Sandsteinberge, die Cardones-Kakteen und das milde Klima. Auf der Plaza de Armas hören wir viel Quechua. Eine kurze Wanderung führt uns durch den Cañon del Inca bis zur Puerta del Diablo – beeindruckend rot und zerklüftet.
Ein Teil der Strecke lässt sich auch zu Pferd zurücklegen. Den Tag beenden wir bei einem Asado zur Einweihung der ländlichen Herberge von Don Milton und Jorge: einfache Umgebung, herzliche Familie und ausgezeichnetes Essen.
Am nächsten Morgen besuchen wir den Aussichtspunkt El Sillar mit seinen farbigen Bergen.
Besonders schön ist der Cañon del Buho, dessen rote Sandsteinwände immer enger zusammenrücken. Über den Rand gelangen wir zurück; Spuren von Pumas gibt es, aber leider keine Sichtung.
Die Fahrt nach Uyuni überrascht mich: Im 2019 waren dies noch staubige Pisten, jetzt fahren wir fast durchgehend auf Asphalt. In Atocha sehen wir den inzwischen betonierten Schlackehügel der Minenstadt, während Jorge unser Fahrer die Legende von Butch Cassidy erzählt, der hier Minentransporte überfallen hat.
Anschliessend taucht eine grosse Photovoltaikanlage auf. Dann wirbelt ein kleiner Sandsturm über die hellen Wanderdünen von Catavi. Unterwegs begegnen wir Suri (Ñandu), Vicuñas und vielen Lamas. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Zugfriedhof von Uyuni, wo die rostenden Dampfloks noch immer beeindruckend wirken.
Die Nacht verbringen wir in Colchani im Salzhotel Luna Salada. Unser schlichtes Zimmer hat keine Aussicht, doch die gemütlichen Aufenthaltsräume mit Cheminées sowie Spa und Massage überzeugen. Das Abendessen ist teuer und enttäuscht, aber der herzliche Service und die ruhige Lage direkt am Salar machen den Aufenthalt dennoch angenehm

Uyuni, Salar und Hochlandlagunen
Für den Sonnenaufgang stehen ich früh auf. Über dem Salar leuchtet der Himmel in Pastellfarben, ein kurzer, wunderschöner und eisiger Moment. Die riesige Salzpfanne auf 3'600 m ü. M., strahlend weiss durch jährliche Überschwemmungen, beeindruckt mich sofort. Noch heute wird hier Speisesalz von Hand abgebaut; wirtschaftlich bedeutend ist vor allem der Lithiumabbau.
Nach dem Frühstück fahren wir mit dem 4x4 in die Salar. Es geht über die endlose weisse Fläche, unter stahlblauem Himmel. Orientierungspunkte gibt es kaum; tiefe Löcher in der Salzkruste, die „Ojos del Salar“, können für Autofahrer sehr tückisch sein.

Besonders heikel sind die Ein- und Ausfahrten durch schlammigen Morast. Wir sehen ein Fahrzeug feststecken – hier gibt es keinen Abschleppdienst. Mit Marco, der die Gegend gut kennt, erreichen wir sicher die Isla Incahuasi mit ihren Cardones-Kakteen und später die Isla Pia Pia, wo wir picknicken.
Natürlich machen wir auch die typischen Fotos mit optischen Täuschungen.
Im Süden steht noch Wasser auf der Salar – eine riesige Spiegelung, durch die wir in Gummistiefeln waten.
Weiter geht es in die Hochwüste zwischen rauchenden Vulkanen und farbigen Lagunen. Wir übernachten an der Laguna Hedionda und beobachten Flamingos, bevor wir am Kamin ein köstliches Lamagericht geniessen.
Am nächsten Tag besuchen wir weitere Lagunen und sehen Ñandus, Lamas und Vizcachas. In der Siloliwüste stehen wir vor dem „Árbol de Piedra“, vom Wind geformt wie ein Baum. Die Fahrt durch die «leere» Landschaft ist unglaublich spannend.
Ein Höhepunkt ist die Laguna Colorada mit ihren Farben und hunderten Flamingos, die wir von zwei Aussichtspunkten bestaunen. Von hier geht es über den höchsten Punkt auf fast 5200m ü. M.
Über Sol de Mañana mit seinen Schlammtöpfen und Geysiren fahren wir weiter zur Laguna Chalviri, wo wir Mittag essen. Die Stimmung trübt sich kurz, als eine Kollegin ihren Pass verliert, alle Guides in der Gegend werden informiert, ohne Erfolg. Das Problem kann erst wieder in Uyuni bei der Polizei und in La Paz gelöst werden. Also geht es durch die Felslandschaften des Bosque de Piedras und den fruchtbaren Cañon de Alota zurück nach Uyuni und auf den Polizeiposten.
Im neuen Boutique Hotel Andina de Sal, schlafen wir zwischen Salzbacksteinen aus dem Salar.
La Paz
Wir fliegen nach La Paz, dessen Flughafen in El Alto auf 4'061 m ü. M. liegt – was erklärt wieso Santa Cruz für Langstreckenflüge wichtiger ist. Die Fahrt ins Zentrum dauert rund eine Stunde; die Gondelbahnen haben den Verkehr stark entlastet und die Wege der Menschen an den Hängen deutlich verkürzt. Für uns bieten sie eine wunderbare Aussicht auf die Stadt im tief eingeschnittenen Erosionskessel und überragt vom Illimani.
Wir besuchen das historische Zentrum und den Hexenmarkt und staunen, wie sehr sich die Stadt in den letzten 30 Jahren verändert hat – das Selbstbewusstsein der Aymara-Frauen allerdings ist geblieben. Im Süden erkunden wir das Valle de Animas mit seinen beeindruckenden Lehm- und Sandsteinformationen. Für mich bleibt La Paz die wohl eindrücklichste Stadt der Anden.
Dann heisst es Abschied nehmen und über Santa Cruz zurückfliegen. Bolivien bleibt für mich ein faszinierendes, herzliches und kulturell reiches Land, mit weiteren Regionen wie Amazonas, Titicacasee oder Yungas, die darauf warten von Ihnen entdeckt zu werden.

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Barbara Stirnimann
Mai/Juni 2025