

Unsere Expertin Anja Graf reiste im Mai durch die vielfältige Flora & Fauna Costa Ricas. Besucht hat Sie den Tortuguero Nationalpark, die Region um den Arenal Vulkan und das unbekannte Caño Negro Wildlife Refuge.

Die Luft war warm und feucht, als wir am Flughafen San José ankamen – sofort war klar: wir sind in Costa Rica, dem Land der Farben und der üppigen Flora & Fauna. Nach einem sehr angenehmen Direktflug und einer schnellen Einreise wurden wir von unserem Fahrer abgeholt. Mitten in der Rush Hour lernten wir sofort, was es heisst, dass jeder vierte Costa-Ricaner ein Auto besitzt und die Taxis, Lieferdienste und Busse noch dazu kommen.
Mit der anschliessenden Food-Tour zu versteckten Plätzen, lebendigen Märkten, traditionellen Cantinas und lokalen Kaffeehäuser lässt sich die Zeit, in der ansonsten nicht sonderlich sehenswerten Hauptstadt, perfekt überbrücken.


Am ersten Morgen verliessen wir die Hauptstadt früh in Richtung karibische Küste. Unser Ziel war der Tortuguero Nationalpark. Bereits die Fahrt war eindrücklich und überraschend abwechslungsreich. Die Hauptstrasse führt mitten durch den Braulio Carrillo Nationalpark mit kleinen Wasserfällen am Strassenrand und vorbei an kleinen, lebendigen Dörfern. Da folgte bereits der erste Höhepunkt, unser Guide fand ein Faultier im Baumwipfel.
Nach der Ankunft am Bootssteg von La Pavona begrüsste uns auch das karibische Wetter – ein kurzer, heftiger Regenschauer. Die Bootsfahrt führte uns dann durch die schmalen Kanäle, begleitet von sattgrüner, dichter Vegetation, Affen in den Baumkronen und traumhafte Natur. Es fühlte sich an wie ein Eintauchen in eine andere Welt.





Am Nachmittag spazierten wir durch das kleine Dorf Tortuguero und entlang der Strände, welche aufgrund der Kaimane zwar nicht fürs Baden einladen, aber dennoch wunderschön sind.
Das Dörfchen bietet eine unerwartete Abwechslung, etwas schlendern, ein Café besuchen oder einen frischen Fruchtsaft geniessen. Souvenir- oder Kunstshopping inklusive.
Heute widmeten wir dem eindrücklichen Ökosystem des Tortuguero Nationalparks, welches ein undurchdringliches Labyrinth aus Kanälen, Regenwald und Lagunen darstellt. Er ist einer der weltweit wichtigsten Nistplätze für die Grüne Meeresschildkröte, die zwischen Juli und Oktober nachts an den Strand kommt. Über 400 Vogelarten, darunter Tukane und Tigerreiher, sowie Faultiere, Kaimane und Brüllaffen machen ihn zu einem Paradies für Naturbeobachter.
Morgenfrüh wurden wir geweckt von den unglaublichen Schreien der Brüllaffen. Nach einem Kaffee mit Lagunensicht ging es los auf Entdeckungstour. Per Motorboot oder auf der kleinen Wanderung zum Cerro Tortuguero mit spektakulärer Aussicht über den Dschungel bis zum Meer. Mein persönliches Highlight war die Kajaktour – so kamen wir in die kleinsten Kanäle und konnten jeglichen Geräuschen der Natur lauschen und die Tiere einsam und ganz nah beobachten.


Mit dem Boot fuhren wir durch die grosse Lagune zurück an die Anlegestelle von Caño Blanco. Unser Fahrer erwartete uns bereits und es ging weiter ins Landesinnere, Richtung Arenal Vulkan. La Fortuna ist ein charmantes Städtchen am Fusse des imposanten Vulkans und gilt als Abenteuer-Hotspot. Trotz seiner touristischen Beliebtheit bewahrt es eine entspannte Atmosphäre mit lokalen Märkten, gemütlichen Cafés und Boutiquen. Nach einem köstlichen Mittagessen im Don Rufino genossen wir die heissen Quellen mit Sicht auf den Arenal.

Unseren heutigen, aktiven Tag starteten wir mit einer Wanderung über die Mistico Hängebrücken, wo wir viele tropische Tiere aus nächster Nähe beobachten konnten. Dazu gehörten Kolibris und Papageie, kleinste Baumfrösche, farbige Schlangen, Ameisenstrassen und viel zu grosse Taranteln.



Auf dem Weg dorthin hatten wir unseren persönlichen National Geographic Moment und konnten ein aktives Faultier auf dem Weg vom Baum auf den Boden beobachten. Es ging weiter mit einem Adrenalinkick im Sky Adventure Park, beim Ziplinen mit perfekter Aussicht auf den wieder wolkenfreien Arenal. Etwas erhöht, am Arenal-See genossen wir dann das Mittagessen im Fusion Restaurant mit Aussicht auf den See. Den Abend liessen wir mit einem landestypischen Kochkurs ausklingen und wurden sogar als heiratsfähig ernannt, als unsere ersten handgemachten Tortillas korrekt aufgingen.




Zu Besuch bei Familie Sibaeli, entdeckten wir wie viel Handarbeit, Wissen, Geduld und Leidenschaft in einer einzigen Tafel Schokolade stecken. Während der interaktiven Cacao-Tour auf der Familienplantage in Guatuso lernten wir alles vom Bohnenanbau bis zur fertigen Tafel, inklusive Tasting von der Frucht bis zur Schokolade.
Es folgte mein persönliches Highlight, das Caño Negro Naturreservat. Das Gebiet wirkt wie ein vergessener Ort in einem touristisch sehr gut erschlossenen Land – etwas abgeschieden, geheimnisvoll und voller Leben. Während der Regenzeit verwandelt sich das Gebiet in ein weitläufiges Wasserlabyrinth, in dem sich Kaimane lautlos durchs Schilf schieben und exotische Vögel wie auf einem Laufsteg posieren. Während der Trockenzeit zieht sich das Wasser stellenweise zurück und legt weite Sumpfflächen, Sandbänke und Lagunenränder frei. Auf den Grasflächen weiden Rinder und Pferde. Caño Negro gehört zu den artenreichsten Vogelbeobachtungsgebieten in ganz Mittelamerika – ein echtes Paradies für Birdwatcher und Naturfans. Überrascht hat uns, wie viele Tiere sich im Verborgenen tummeln: Leguane getarnt in Bäumen, schlafende Bootschnabelreiher in den Ästen und mit etwas Glück Spuren von Wildkatzen wie Jaguare, welche sich in den frühen Morgenstunden selten blicken lassen – und das alles nur per Boot zugänglich.
Übernachtet haben wir im traumhaften Tocu Tent Camp mit nur 20 Zeltzimmern, welche an eine afrikanische Lodge, jedoch mit tropischem Flair, erinnert. Wir genossen Ruhe, Komfort und Kulinarik auf hohem Niveau und vor allem die Nähe zur Natur. Etwas Luxus im Einklang mit der Natur.




Wir fuhren weiter nach Sarchí, eine Kleinstadt auf 970 Metern über Meer, eingebettet zwischen grünen Hügeln und Plantagen. Der Ort ist weltbekannt und gilt als die Wiege der costa-ricanischen Handwerkskunst. Wir bestaunten die farbenprächtigen, kunstvoll bemalten Ochsenkarren, die hier seit Generationen in liebevoller Detailarbeit gefertigt werden. Bei Don William durften wir mit viel Humor, Tanz und Musik die Malkunst persönlich erlernen.
Abends, zurück in San José, wartete ein stilvoller Abschied im Restaurant Silvestre: kreative costa-ricanische Küche auf höchstem Niveau, serviert in einem denkmalgeschützten Kolonialhaus – ein letztes Highlight.
Costa Rica hat mich nicht nur mit seiner unglaublichen Flora und Fauna beeindruckt, sondern auch mit Gastfreundschaft, Authentizität und nachhaltigem Tourismus. Unsere Reise hat erneut gezeigt, wie tiefgründig dieses Land ist. Eine ein-, zweiwöchige Reise reicht niemals aus, um die Vielfältigkeit der Regionen zu erleben, nehmen Sie sich unbedingt 3-4 Wochen oder länger Zeit.

Mai 2025